| von monstern auf pilgerwegen - der maler hieronymus bosch |
Oft lösen seine Bilderfindungen Kopfschütteln, Assoziationen von Wahn und finsteren Epochen aus. Doch ist seine Kunst sehr ausgeklügelt und nüchtern: Bosch entdeckt die alltägliche Lebenswelt und die natürliche Umwelt des Menschen als Ort voller Gefahren, Verlockungen und Chancen, wobei er erstmals die Landschaft in faszinierender Vielfalt darstellt. Denn sei es im Umfeld der Städte oder auf Fernreisen in der Wildnis: Bauern, Kaufleute, Pilger oder reisende Handwerker und Künstler nahmen – aus eigener Anschauung – die Welt jenseits der Städte und Dörfer immer genauer und ambivalenter wahr.
Doch haben seine berühmten Mischwesen-Figurationen, die Mensch, Tier, Pflanze, Landschaft oder Gegenstand scheinbar beliebig verbinden, nicht nur religiöse und moralische Funktionen. Sie sind auch das Experimentierfeld eines kreativen Malers, dem bald viele nacheiferten. Denn Kreativität erwartete das anspruchsvolle Publikum schon damals. So lösten Boschs Gemälde und Zeichnungen im 16. und 17. Jahrhundert weniger Angst und Zweifel als vielmehr Bewunderung und Schmunzeln aus. Kunst sollte unterhalten und belehren.
Hieronymus Bosch (um 1450/55-1516) war einer der innovativsten unter den niederländischen Malern Zur Zeit der Renaissance. Fern der großen Kunstzentren gehörte er in seiner Heimatstadt 's-Hertogenbosch zur Elite, organisiert in der Liebfrauenbruderschaft. Er war von reformchristlichen Ideen und einem frühhumanistischem Erziehungsideal wie auch vom bürgerlich-merkantilen Leistungsgedanken geprägt. Eine Grundvorstellung des späten Mittelalters zieht sich dabei wir ein roter Faden durch Boschs Bilder: Das menschliche Leben ist wie eine Pilgerreise: auf dem Weg lauern Gefahren, die ohne Gott und den Verstand nicht zu bewältigen sind! |