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Eppenhausen. Hagens gute Stube - der Hohenhof - hat Damen-Besuch: Jephtas Tochter aus dem Alten Testament, eine Bronzeplastik von Milly Steger, sucht einen Platz der endgültigen Würdigung. Osthaus-Museum und Osthaus-Bund unternehmen alles, der "Tanzenden" eine historische Bleibe zu geben.
Die zauberhafte Skulptur in Menschengröße gehört einer Kasseler Bankier-Familie, die das gänzlich nackte Tanz-Geschöpf aus Stegers Akt-Ära in dem repräsentativen Steingarten einer Hügel-Villa gegenüber der Kasseler Wilhelmshöhe im Jahre 1922 nach dem Erwerb aus Hagen platziert hatte. Jetzt erfolgt dort eine Erbteilung, was den Verkauf der Figur bedeutet, denn Kunstwerke lassen sich schlecht zerteilen.
Und da "Jephtas Tochter" bereits im Karl Ernst Osthaus-Museum in den Jahren 1981 und 1991 in Milly Steger-Gedächtnisausstellungen (Geburtstag/Todestag) als Leihgabe aus Kassel zu sehen war, war für die hessische Bankier-Dynastie mit Engagement beim Kunstverein Kassel der Hohenhof die "erste Adresse", ehe das wertvolle Exponat auf dem Auktionsmarkt landen würde, was vermutlich ertragreicher wäre.
60 000 Euro werden für den Hagen-Ankauf verlangt:
Angemessen und eher preiswert ist das, denn der Kunstmarkt hat kaum Steger-Werke - das Atelier der Stadtbildhauerin (1881-1948) wurde 1945 durch Kriegsbomben zerstört - und die noch vorhandenen Exponate unterliegen dem Raritäten-Wert.
Bis Oktober diesen Jahres bleibt Zeit, dann würde der Eigentümer sein Angebot aufheben. Und nach dem eindringlichen Hinweis von Dr. Birgit Schulte (stellvertretende Museumsdirektorin), dass die "Tanzende", ein Hauptwerk im Steger-Oeuvre und in der Plastik der klassischen Moderne überhaupt, ein elementarer Mosaikstein zur Darstellung des "Hagener Impulses" ist, muss "Jephtas Tochter" im Hohenhof bleiben.
Solch endgültige Meinung teilt Dr. Schulte sich mit Eva Pieper-Rapp-Frick, der Vorsitzenden des Karl Ernst Osthaus-Bundes. Mangels eines eigenen Ankaufetats des Museums starten beide gemeinsam eine veranstaltungsreiche Aktion, um neben den bereits vorhandenen Sponsorenmitteln von rund 25 000 Euro den Ankaufbetrag finanzieren zu können.
So wird eine Patenschaftsaktie mit einer Original-Seriegrafie des Hagenringkünstlers Bernhard van der Minde handsigniert und numeriert für 50 Euro das Stück in einer Auflage von 500 Exemplaren herausgegeben. Dem Siebdruck liegt eine Tusche-Zeichnung der Bronceskulptur zugrunde.
Zweiter Finanzierungsbaustein wird eine Bus-Exkursion (Teilnahmegebühr 20 Euro) am 25. Juni, mit der die Hagener Kunsthistorikerin Ariane Hackstein ohne Honorar und mit Bus-Sponsoring die Interessenten auf die Spuren Milly Stegers in Hagen führt - man denke an solche herausragenden Bildhauerarbeiten wie die vier Musen auf dem Theaterportal, das Relief der Sparkasse, den Frauenkopf aus dem ehemaligen Museum Folkwang oder "Junge und Mädchen" an der Altenhagener Schule wie die Plastik im Hameckepark, um nur einiges zu nennen.
Dritter Aktionsteil wird ein Sommerfest des Osthaus-Bundes am 10. Juli im Hagener Hohenhof sein, dessen Einnahmen aus dem Programm - Höhepunkt: Tanz durch die Essener Folkwang-Schule - ebenfalls dem Ankauf zufließen werden wie auch alle Spenden (Sparkasse Hagen, BLZ 450 500 01, zwei Kontonummern 100 009 174 und 100 041 841).
Neugierig natürlich macht der Name der Skulptur, einem Bronceabguss von 1920, dem eine erste 1919 geschaffene Version aus schwarzem Steinguss vorausging, die Karl Ernst Osthaus 1920 für sein Folkwang-Museum kaufte, die 1922 mit der kompletten Sammlungs-Veräußerung nach Essen ging und die 1944 der Kriegszertörung zum Opfer fiel. Ihr Name bezieht sich auf eine überliefert biblische Begebenheit:
Der israelische Richter Jephta befreite seinen Stamm von den Ammonitern und opferte dafür entsprechend einem Gelübde seine Tochter. Vor ihrer Opferung jedoch nimmt diese einen tanzenden Abschied von ihrem Leben - sie vollführt einen vollkommen in sich gekehrten, kaum in den Raum ausgreifenden und melancholisch stimmenden Tanz.
Aus dieser tragischen Gestalt wurde das geniale Bildhauerwerk spannungsvollster Körpersprache.
Von Hubertus Heiser
26.04.2004 / Westfalenpost / HAGEN
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