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Osthaus was instrumental in supporting me

Hagener Impulse – das Bauhausjahr in Hagen

(von Dr. Birgit Schulte)

 

Nur wenige Monate vor Gründung des Bauhauses schrieb dessen Gründer Walter Gropius (1883-1969) an seinen Duzfreund Karl Ernst Osthaus (1874-1921) in Hagen: „Ich bin dabei, etwas ganz anderes ins Werk zu setzen – eine Bauhütte! Mit einigen wesensverwandten Künstlern. Ich bitte Dich, darüber Schweigen zu bewahren.“ Diese Zeilen belegen anschaulich, welche bedeutende Rolle der Hagener Museumsgründer, Mäzen und Netzwerker der Reformbewegung für den jungen Gropius in den entscheidenden Jahren zwischen 1908 und 1921 spielte. Das betrifft nicht nur die Förderung seiner künstlerischen Karriere, indem Osthaus dem jungen Architekten Kontakte und Aufträge verschaffte. Von der engen freundschaftlichen Verbindung zeugen mehrere hundert Briefe im Karl Ernst Osthaus-Archiv Hagen. Diese aufschlussreichen Dokumente gibt das Osthaus Museum im Bauhausjahr in einer kommentierten Edition heraus. In dem brieflichen Austausch wird deutlich, dass Osthaus für Gropius ein wichtiger Gesprächspartner und Mitstreiter in der Debatte um die Frage war, auf welche Weise Kunst und Künstler in die Gesellschaft hineinwirken können und sollen. Viele Aspekte, die das Bauhaus verfolgt, hat Osthaus mit umfangreichen Initiativen in seiner westfälischen Heimatstadt Hagen zu Beginn des 20. Jahrhunderts vorgeprägt.

 

So ist es kein Zufall, dass Gropius seinem Hagener Förderer bereits im Sommer 1916 seine Überlegungen für die Fortführung der Weimarer Kunstgewerbeschule anvertraute. Osthaus wiederum setzte sich bei deren Direktor Henry van de Velde dafür ein, Gropius für die Übernahme der Kunstgewerbeschule vorzuschlagen. Daher hat Osthaus einen nicht geringen Anteil daran, dass Walter Gropius 1919 in Weimar das Bauhaus gründen konnte. An diese entscheidende Rolle von Osthaus für seine Karriere erinnerte sich Walter Gropius kurz vor seinem Tod, als er der damaligen Direktorin des Karl Ernst Osthaus Museums im Mai 1969 in einem Brief schrieb: „Osthaus was instrumental in supporting me … .“

 

Gropius‘ ausdrückliche Wertschätzung seines Förderers macht deutlich: was das Bauhaus in Weimar, Dessau und Berlin an zukunftsweisenden Projekten und Visionen der Moderne mit internationaler Ausstrahlung entwickelt hat, fußt auf Anregungen, die seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert die europäische Reformbewegung vorgedacht hat. Insbesondere Hagen wurde mit den beiden Museumsgründungen von Osthaus, dem „Folkwang-Museum“ und dem „Deutschen Museum für Kunst in Handel und Gewerbe“ und mit der herausragenden Baukultur, die als „Hagener Impuls“ in die Kulturgeschichte einging, zum Nährboden für die Moderne. Hagen spielt insofern für die Geschichte des Bauhauses eine wesentliche Rolle.

 

Osthaus‘ Anspruch war die „kulturelle Hebung des industriellen Westens“. An prominenter Stelle hat er diese Vision 1911 in einer programmatischen Darstellung in der Öffentlichkeit platziert. In der Eingangshalle des Hagener Hauptbahnhofes, die bis heute täglich tausende Menschen passieren, veranschaulicht ein monumentales Glasfenster von Johan Thorn Prikker mit dem Titel „Der Künstler als Lehrer“ die innovative Kraft der Kunst für die Reform der Gesellschaft. Auch Gropius‘ Bauhaus-Konzept war programmatisch auf den „Künstler als Lehrer“ ausgerichtet. Die Gründung des Bauhauses in Weimar konnte Osthaus noch verfolgen. Aufgrund seines frühen Todes im April 1921 konnte er jedoch nicht mehr die Erfolge seines Freundes Gropius erleben.

 

Das Bauhaus ist nicht ohne Hagen zu denken. Dieser kulturgeschichtliche Hintergrund ist für Hagen Verpflichtung und Anregung zugleich. Der historische „Hagener Impuls“ beflügelt das breit aufgestellte Aktionsbündnis der „Hagener Impulse“, dessen Akteure im Bauhausjahr 2019 ein inhalts- und abwechslungsreiches Programm auf die Beine stellen, dessen Angebote in diesem Programmheft gebündelt werden.

 

„Ich preise das Geschick, das mich in den Kreis Ihres Kulturschaffens hineintrieb, um nun mitzutun,“ schrieb Walter Gropius begeistert an Karl Ernst Osthaus. Lassen Sie im Bauhausjahr von dieser Begeisterung anstecken!